Nix für Menuegesichter

Nix für Menuegesichter

Zu teuer für die gastronomische Leistung, zu viel „dicke Hose“ und zu wenig kreative Substanz. Ein Besuch in der Villa Patrizia in Duisburg ist teuer und lässt durchaus zu wünschen übrig. 

4/11/2016 Kennen Sie das Gefühl, Sie betreten ein angesagtes Restaurant, haben aber nicht vor ein ganzes, sondern bestenfalls ein halbes Vermögen hier zu lassen? Für Gäste mit dieser Absicht bieten gute Häuser ein mehrgängiges Menue an, das den Gast zu einem akzeptablen Preis zufrieden stellen soll. Man weiß dann, es geht noch exquisiter, raffinierter von der Küche und erlesener von den Weinen und – teurer. Man läuft jedoch Gefahr, von manchem Gastgeber als „Menuegast“ eingeordnet zu werden.

Gäste sollten prinzipiell eine freundliche Behandlung erwarten dürfen, so auch wir drei, die wir am vergangenen Freitag die Villa Patrizia beehrten… oder sollte ich besser sagen, in der wir neben dem erlesenen Kreis der Stammkundschaft geduldet wurden? Lediglich der junge Kellner war sehr aufmerksam und zuvorkommend. Anders hingegen erlebten wir die Chefin des Hauses, die hier exklusiv für die Weinberatung zuständig ist. Gut, wir hatten „nur“ den Hauswein zu 30 Euro die Flasche bestellt. Es schien als sei diese Preisklasse unterhalb der Ansprechschwelle von Signora Patrizia, die auf unserer Nachfrage hin widerwillig die Frage nach der Herkunft des Weines beantwortete. Eine freundliche Ergänzung wie: Ja dieser Wein ist eine sehr ordentliche Begleitung weil… oder diesen Wein haben wir von einem Winzer der… Sei´s drum, der Wein jedenfalls war wirklich gut, während wir die Küche an diesem Abend zwar als solide, nicht aber überragend erlebten.

Das Menü, ein Lachscarpaccio, ein Nudelgericht verpackt in Pergament, eine Himbeere auf altem Balsamico, eine Pata Negra-Roulade gefüllt mit Provolone und Spinat sowie das Dessert, Baileys-Tiramisu und Espresso-Eis waren akzeptabel. Bei einem Ristorante dieser Preisklasse hatte ich mir aber ein bisschen mehr Überraschendes und Unerwartetes erhofft. Das solide aber etwas biedere Handwerk stand so im Gegensatz zur Attitüde des Chefs, der um die Tische scharwenzelte, um den Gästen das Gefühl zu geben, ganz besondere Menschen, zu sein, zumindest diejenigen, die mit dem entsprechenden Auto vorfuhren. Wir gehörten nicht dazu. Leider oder vielleicht besser, Gott sein Dank. Auch wenn uns vom Chef am Ausgang wortreich und überraschend versichert wurde, wie sehr er sich persönlich gefreut habe, uns an diesem Abend zu seinen Gästen zu zählen.

Insgesamt war, was die Küche betraf, der Abend nicht die 260 Euro wert, die wir am Ende dafür bezahlt haben. Teuer die Erkenntnis: Die Villa Patrizia ist nichts für „Menuegesichter“, zu teuer für die gastronomische Leistung, zu viel „dicke Hose“ und zu wenig kreative Substanz. Störend, und für manche gar ein K.O.-Kriterium, war auch, dass hier im geschlossenen Zelt geraucht werden durfte. Wie der Chef betonte, eine gastfreundliche Geste, da es sich ja beim erlesenen Kreis der Gäste um eine Art intimes Familientreffen handelte, dem wir hier beiwohnen durften. Gut dass man sich wenigstens seine Freunde selbst aussuchen darf. ChG

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